Home»Magazin»Facettenreich»Ängste und Gedanken einer Sub

Ängste und Gedanken einer Sub

14
Shares
Pinterest Google+

Walter Ludin fragte sich einst, in einem seiner Zitate:

„Jeder Mensch hat seine Würde.
Warum aber verhalten sich viele Menschen würdelos?“

Walter Ludin fragte sich einst, in einem seiner Zitate:

„Jeder Mensch hat seine Würde.
Warum aber verhalten sich viele Menschen würdelos?“

Hinsichtlich als Mensch ist dies eine sehr gute Frage die ich mir auch oft stelle.

Jeder Mensch ist ein Wesen, das eine sehr hohe Einzigartigkeit in sich trägt und allein dafür Respekt und Achtung verdient.
Er hat Ecken und Kanten, doch genau diese machen einen Menschen erst aus und für andere so sehr liebenswert.
Doch leider gibt es auch Menschen die unser Leben kreuzten und noch kreuzen werden, die genau diese Werte nicht mehr zu schätzen wissen.Sie nutzen aus, respektieren und akzeptieren den Menschen nicht, der ihnen gegenüber steht und sie machen sich in ihrem Egoismus auch keine Gedanken darüber wie stark verletzend ihr Verhalten für den jeweils anderen ist und sein kann.
Klar ist, das es immer mal passieren kann, das es zu Konfrontationen kommt und Menschen dann eventuell auch wieder getrennte Wege gehen müssen. Fakt ist aber auch, das man sich selbst gegenüber seine Würde behalten sollte und dies mit Anstand und Niveau klärt oder diese Beziehung beendet.

Doch gerade für mich als Sub, ist dies ein Thema was noch mehr greift und stark allgegenwärtig ist, da ich diese Thematik auch oft von anderen Subs zu hören bekomme.

Persönlich als Sub musste ich zum einen ganz zu Anfang selber die Erfahrung machen, was es heißt in meiner Würde stark verletzt zu werden.Trotz langen Gesprächen und seiner mir leider nicht erkennbar vorgespielten Akzeptanz meiner Hard Limits gegenüber, überging er mich (mir fehlen die Worte für solche Menschen) und das in einer mir sehr wichtigen Grenze.
Er tat mir nicht körperlich weh nein aber er überging eine mir emotional sehr wichtige Grenze, die in mein persönliches „Ich“
als privater Mensch übergegriffen hatte.Dieses Gefühl der Scham und der Demut trägt man als Sub und als Mensch des alltäglichen Lebens sehr lange mit und in sich. Es ist wahrlich keine Sache, die man herunterspielen sollte als Dom und als eine Person, die sich auf dieses Thema bezogen noch am finden ist oder gar als Dumdom wie leider in meinem Fall.
Glücklicherweise bin ich ein Mensch mit starkem Selbstbewusstsein und so konnte ich es in meinem privaten Leben doch schnell verarbeiten.Dennoch: als Sub bleibt es immer zu einem gewissen Teil in mir drin.

Zum anderen meine langjährige Exbeziehung. Nach einer gewissen Zeit der Trennung und durch einen Zufall bekam er damals mit, mit welcher Leidenschaft ich nun mein BDSM lebe. Er fragte mich dann mal, warum ich in der Beziehung nie was zu ihm sagte, warum nicht mit ihm und ob ich überhaupt wüsste, was BDSM sei und ich demnach überhaupt davon Ahnung hätte?
Als ich mit „Ja, ich weiß sehr wohl was BDSM bedeutet und beinhaltet!“ antwortete, vertrat er folgende Meinung, als einer der nicht annähernd BDSM auslebt oder geschweige denn Dominanz ausübt.
Ich zitiere:
„Dir ist aber klar, das du als Sub dann gar nichts mehr zu wollen, sonder alles hinzunehmen hast.“
Als er dieses äusserte, lachte ich ihn mal kräftig aus und fragte ihn, woher er denn diesen unheimlichen Mist habe und ob er das wirklich selber glaubt was er da sagt. Seine Äusserung beruhte auf Ausage einer anderen einzelnen Person, mit der er sich wohl oft darüber unterhielt. Statt sich mal viel weiträumiger, auf dafür wirklich guten Seiten zu informieren, beharrte er auf dieser Meinung. Ich schüttelte nur noch am Handy den Kopf und sagte zu ihm, dass ich als Sub die Grenzen bestimme, er darüber auch gar nicht weiter reden bräuchte und dass ich nach seiner Aussage froh wäre, dass ich in der Zeit unserer Beziehung noch nicht wusste, was genau mir fehlte und es erst danach gemerkt und begonnen habe es auszuleben. Denn bei solchen Aussagen würde mir ernsthaft schlecht werden.

Als Sub erlebt man alles sehr viel intensiver und emotionaler, dessen sind sich viele anscheinend rein gar nicht bewusst.
Sie braucht von ihrem Dom eine Zeit lang erst einmal zu 100% Vertrauen, Ehrlichkeit, Respekt, Akzeptanz, Achtung, Toleranz, Sicherheit und Geborgenheit in ihrer reinster Form.
Erst dann gibt sie sich ihm mit und mit voller Hingabe und Leidenschaft hin, wird von ihm Demut, Unterwerfung, Dominanz, Disziplin, Konsequenz, Lustschmerz und Aufgaben entgegen nehmen, weil sie eben genau dies alles von ihm bekommt.
Durch ihr sehr starkes Vertrauen, welches immer weiter wächst, kann ein Dom ja erst in seinen Handlungen anfangen und sich mit der Zeit steigern.

Doch gerade die achso tollen Dummdoms oder die Menschen, welche gerade noch ehrlich dabei sind sich im BDSM selbst zu finden, sollten sich über eines sehr bewusst sein und auch bitte zu beherzigen wissen:
Eine Sub zeigt sich dir nackt, nackt wie kein anderer sie sehen darf, wenn alles harmonisch zwischen euch passt. Sie gewährt dir als ihren Dom den kompletten Einblick in ihr tiefstes inneres Seelenleben und lässt dich an diesem zu 100% teilhaben.
Du solltest dies alles nicht als Selbstverständlichkeit sehen, sondern als Geschenk zu schätzen und zu würdigen wissen.

Sie begibt sich mit allem, was sie zu geben hat in deine Hände, gibt ihre Verantwortung komplett an dich ab, sie schaut zu dir auf, weil sie dir eben so sehr vertraut und dich in deinem Tun respektiert. Du wirst in eurer Beziehung, egal ob Spielbeziehung oder D/s, viele positive Punkte aber auch sehr viele negative Punkte aus ihrem Leben berühren, je nach Vorgeschichte und Erfahrung. Deine Stärke als ihr Dom ist es, mit ihr als Sub gemeinsam ihre Erfahrungen, Schwächen und Ängste, die sie hat langsam zu verarbeiten und sie positiv darin zu bestärken.

Du wirst sie fordern und fördern mit Aufgaben, die du ihr stellen wirst und auch dort gemeinsam über Grenzen gehen, was nicht immer leicht sein wird für euch beide. Du wirst sie bestrafen in allen Facetten von Verzicht über Disziplin, Demut bis hin zu Lustschmerz und auch dort wird sie versuchen dir Vertrauen, Mut und Stärke entgegen zubringen. In solchen Momenten braucht sie deine vollkommene Aufmerksamkeit und Achtung.
Sie muss das Gefühl durch dich bekommen, dass du ihr genau das entgegenbringst, egal wie schwer es gerade für sie ist, denn nur dadurch kann sie sich fallen lassen und es auch zulassen, dass ihre Schwächen zu Stärken werden.

Es gibt einer Sub unendlich viel und sie äussert es dann auch spürbar, dass du sie ernst nimmst, ihr Geborgenheit und Sicherheit gibst, sie nimmst wie sie ist, immer an ihrer Seite stehen wirst und sie nie einen Weg alleine gehen lässt. Zusammen mit ihr wächst du an Aufgaben, Bestrafungen und Belohnungen. Du lernst deine Sub ganz anders kennen, kennen wie kein anderer sie kennt und wirst ihr gegenüber dementsprechend mit der Zeit viel feinfühliger werden. Du trägst gemeinsam mit ihr zu eurer Beziehung bei, spürst wie du mit ihr umgehen kannst und darfst, was sie mag und was nicht im kleinsten Detail.
Lernst sie in manchen Dingen sogar besser kennen als sie sich selbst. Merkst, was sie gerade braucht, ohne dass sie es zu diesem Zeitpunkt vielleicht selber zu wissen glaubt.

Sie wird dich für all das immer schätzen und dir dankbar sein. Du alleine als Dom hast es in der Hand, wie weit sie aus der Lust und ihren Vertrauen dir gegenüber geht und versuchen wird über die ein oder andere Grenze hinauszugehen. Doch das schafft sie nicht ohne deinen festen körperlichen und seelischen Halt. Nur dann wird sie sich dir unterwerfen und dich als ihren Dom respektieren und akzeptieren.

Doch was löst genau diese starke emotionale Bindung einer Sub zu ihrem Dom mitunter aus?
Es wird schnell mit verliebt sein oder auch gar mit Liebe verwechselt und kann daher für die ein oder andere Person seelisch sehr gefährlich werden. Mein Herr dachte damals auch mal bei mir, dass ich mich in ihn verliebt hätte, eben wegen dieser starken Bindung, die ich zu ihm habe und auch ihm erklärte ich es, da er dies nie so stark und intensiv eingeschätzt hätte.

Es gibt den sogenannten „Sub Drop Effekt“ oder auch den „Absturz“.

Es gibt z.B. Sessions, in denen es ab und an aus emotionaler Sicht falsch gelaufen ist, der Schmerzreiz oder das Stresslevel langanhaltender war. In den meisten Fällen betrifft es die Subs, aber bei Überforderung kann dies natürlich nicht nur die Subs sondern auch die Doms betreffen.
Bei den Subs werden ab einem gewissen länger anhaltenenden Zeitraum von Stress und Schmerz Endorphine ausgeschüttet. Diese Auschüttung kann vom Zeitpunkt menschlich sehr unterschiedlich ausfallen. Diese führt dazu, dass sich die Toleranzgrenze des vorhandenen Schmerzes erhöht und bei vielen Passiven als sogenannter „Kick“ Einzug erhält. Nach solch verschiedenen Sessions kann es dann passieren, das durch den Abbau der Endorphine, die Subs oder auch die Doms emotional sehr unterschiedlich stark reagieren.
In solchen Momenten ist es sehr wichtig für seinen Partner da zu sein, ihm zuzuhören. Das bedeutet auch einfach mal nur reden lassen, gemeinsam darüber reden und der Ursache des Einbruchs auch gemeinsam auf den Grund zu gehen. Zuvor sollte man aber auf jeden Fall versuchen seinen Partner aufzufangen, ihm das Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit geben, ihn zu beruhigen, so dass er in Ruhe runter kommen kann und auch selbst dabei ruhig zu bleiben.

Dieser Punkt erklärt mitunter einen Teil, warum eine Sub dieses grenzenlose Vertrauen zu ihrem Dom braucht und sich die emotionale Bindung, die durch diese Beziehung generell schon herrscht, sich noch ein mal sehr stark intensiviert, da man während und auch nach einer Session komplett aus sich raus kommt, positiv wie negativ und der Partner einen wie oben schon erwähnt sieht, wie kein anderer ihn sehen wird.
Gerade bei Subs, die eventuell emotional sehr angeschlagen sind, viel im Leben durchgemacht haben, weniger Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein inne oder gar eine psychologische Erkrankung haben, kann das extrem viel kaputt und sehr starke seelische Folgen haben. Sie brauchen daher diesen seelischen Halt. Aber auch Subs mit gesundem Selbstbewusstsein kann man so stark demütigen und verletzen, das sie dieses ebenso emotional komplett aus der Bahn wirft.

Die aufrichtige und ehrliche Fürsorge während einer Session oder einer D/s Beziehung ist verdammt wichtig, eben so wie die Nachsorge, die genau so wichtig ist (After Care).

Führe deine Sub also bitte ohne Ausnahme mit Bedacht, Achtung, Respekt und Ehrlichkeit.
Schau, dass sie niemals ihre Würde verliert und spiele nie ernsthaft und bösartig mit ihren Gefühlen und unterschätze niemals die Gefahren, die gerade von dir als Dom ausgehen, denn nur dann hast du begriffen, was es heißt für deine Sub ein guter Dom zu sein und kannst diese schöne Zeit gemeinsam mit ihr genießen

No Comment

Leave a reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Previous post

DomMaik - PayDom aus Leidenschaft

Next post

Ich geh mit dir über deine Grenze