Home»Magazin»Facettenreich»Wer f***** will muss artig sein!

Wer f***** will muss artig sein!

12
Shares
Pinterest Google+

Da sind wir nun in gesitteten Verhältnissen aufgewachsen. Durch die Gesellschaft und unsere Eltern wurden uns Toleranz, Gleichberechtigung und Kompromissbereitschaft als essentielle Werte vermittelt. Der Mann von heute ist sensibel, unterstützt die Karriere seiner Frau und ist ganz Familienmensch. Ich hatte sogar die Möglichkeit, einige Monate Elternzeit zu nehmen. Und dann kommt da deine eigene Frau daher und meint, sie sei devot und hätte ganze gern ab und zu ein paar Striemen auf ihrem Hintern? Neee Kinners, so läuft das nicht.

Es ist eine Sache, die dunklen und schmutzigen Fantasien im eigenen gut frisierten Köpfchen mit sich herumzutragen. Rein in den Liegestuhl, Kopfkino an und die Realität vergessen. Es ist noch so eine Sache, sich diese Fantasien in Pornos bestätigen zu lassen: Der zieht das durch. Richtig so: Gib’s ihr. Besorg’s der Schl****, bis sie nicht mehr kann.

Sie *** meeep ***. Hart *** meeep ***. In den Arsch *** meeep ***, oder in den Mund. Die Schl**** Frau die ich liebe? Die Frau mit der ich seit zehn Jahren zusammenlebe und Kinder habe? Und als hätte es die letzten 50 Jahre Emanzipation der Frau nie gegeben – sie wünscht sich, geschlagen zur werden. Sie möchte sicht- und spürbare Erinnerungen auf ihrem Hinterteil.

Liebe Damen, es ist etwas ganz anderes, wenn man derartiges nicht-gesellschaftsfähiges Gedankengut plötzlich mit seiner eigenen Frau praktisch umsetzen soll, weil sie nun diese Bedürfnisse hat, die nach Erfüllung schreien. Und was ist mit … Romantik, Küssen, Kerzen und so? Das wurde uns doch eingetrichtert. Und nun? Ja, Kerzen findet sie noch immer gut – sie irgendwo festgeschnallt und das Wachs tropft schön heiß auf ihren Körper. Geh’n da eigentlich auch Duftkerzen? Kleiner Scherz.

In meinem Kopf hatte ich schon immer die Kontrolle. Der Drang, diese Dominanz auch real auszuüben ist schon lange da. Ich giere regelrecht danach. Wenn aber nun plötzlich die eigene langjährige Partnerin die Hauptrolle im real gewordenen Kopfkino spielt, sind da plötzlich Hürden, die sich gar nicht so einfach überwinden lassen. Dominanz hin oder her. Wäre mir das vor 20 Jahren passiert, hätte ich vermutlich nur antwortet: “Wow, das findest Du geil?” und wäre über sie hergefallen. Doch meine Erfahrungen stammen aus einigen langjährigen Vanilla-Beziehungen. Wer f**** (Änderung der Red.) will, muss artig sein – das weiß jeder. Und plötzlich ist es schwieriger als gedacht, die dominante Neigung offen auszuleben, die Vanilla-Rolle abzustreifen und so zu sein, wie ich es im Geheimen immer wollte. Dabei wäre es für meine Frau nach neuesten Erkenntnissen das größte Glück, wenn ich genau dies hemmungslos tue.

Meine Frau hart zu nehmen ist etwas anderes, als sie zu benutzen. Ich liebe und achte sie um so mehr für dieses mächtige Geschenk, welches sie mir mit ihrer Hingabe macht. Aber ich gewöhne mich nur langsam daran, dass ich ihren Körper in diesem Sinne gebrauchen darf. Es fühlt sich übrigens herrlich an, den Trieben freien Lauf lassen zu können. Doch es ist gleichermaßen frustrierend, wenn mir bewusst wird, dass ich bestimmte Dinge will, mich mein schlechtes Gewissen aber davon abhält, sie zu tun. Das Machtgefüge einer D/s-Beziehung stellt sich nicht einfach dadurch ein, dass man sich gegenseitig seine Neigung eingesteht. Es entsteht vielmehr nach und nach durch immer wieder entgegengebrachtes und verdientes Vertrauen. Diese Erfahrungen zu sammeln, kostet jedoch Zeit. Daher mein Rat: Geht es ruhig an.

Nochmal zu der Sache mit der Haue. Am Anfang fühlte sich das für mich an wie ein Klischee. Wer devot ist, mag auch den Hintern voll bekommen. Dann haben wir es ausprobiert und siehe da, meine Frau fand’s tatsächlich toll. Ich hingegen: Mhh, … naja. Zumindest wusste ich nun, dass ich zuschlagen konnte. Im Vorfeld war ich mir da wirklich nicht sicher. Doch dann ging meine Frau das erste mal so richtig ab und … ja, dieses Lustschmerz-Ding hat was. Dass mir das Erleben und Kontrollieren ihrer Lust einen solchen Kick geben könnte, hätte ich vor einigen Monaten nicht für möglich gehalten.

Und letztlich legten sich die Zweifel: Jetzt will ich mehr.

1 Comment

  1. Mr. Blackfeathers
    Oktober 27, 2015 at 7:18 pm — Antworten

    Vielen Dank für diesen Artikel. Als jemand, der auch erst vor kurzem aufgrund der Neigung meiner Freundin mit BDSM konfrontiert wurde, haben mich die vielen Meinungen von „alten Hasen“ eher abgeschreckt. Schön, mal von jemandem zu hören, der sich – genau wie ich – erstmal langsam vortasten muss.

Leave a reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Previous post

Eine etwas andere Ausstellung

Next post

Die Büchse der Pandora