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Warum ich eine Sklavin bin

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Seitdem ich BDSM lebe, habe ich viel im Internet recherchiert und bin oft auf ein Gesprächsthema getroffen. Meist sind es Frauen, die den Unterschied zwischen „Sub“ und „Sklavin“ wissen wollten und ich lese immer wieder kräftige und überzeugte Aussagen wie – „ich bin eine Sub, keine Sklavin!“

Nun ja, ich habe auch mit dieser Einstellung angefangen (eigentlich gar nicht so lange her) und meine Meinung in kurzer Zeit geändert. Ich habe mich weiterentwickelt, viele Kommentare, Ideen und Gedanken gelesen und daraus mein Fazit gezogen.

Ich bin eine stolze freie Sklavin.

Während einer Session nennt mich mein Herr „Sklavin“ und das fühlt sich für mich sehr gut an. Ich bin nicht gegen meinem Willen bei Ihm – wie eine wahre Sklavin (die tatsächliche Bedeutung des Wortes schreckt ab!) , ich muss nicht für ein Stück Brot bei Ihm arbeiten und wenn Er mich fest anpackt, ist es weil ich es will und uns das Lust bereitet. Wenn Er über mich bestimmt, lasse ich mich fallen und vertraue Ihm.

Ich werde aufgefangen, zart und aufmerksam. Ich knie, bettle und flehe, weil ich das brauche, ich habe selbst entschieden, zu mir zu stehen und das zu sein, was ich heute bin. Begleitet, geführt und geschützt von Ihm, meinem Herrn. Ich ganz allein (Er hat mich weder gekauft noch mich beim Pokern gewonnen) lasse das alles zu. Im Alltag begegnen wir uns auf Augenhöhe, ja, ich gehe sogar arbeiten, habe meine eigene Meinung, die vertrete ich und niemand peitscht mich deshalb aus.

Und warum bin ich keine Sub?

Unter anderem, weil es das Wort nicht gibt. Es ist eine Abkürzung und von mir persönlich nicht als Wort anerkannt. Ursprünglich aus dem englischen – submissive – hat man sich in deutschsprachigen Ländern höchstwahrscheinlich für „Sklavin“ entschieden, weil es immer noch besser klingt als „Gehorsame“ oder „meine Willfährige“. Es hat nichts damit zu tun, dass dir jemand alle Rechte zur eigenen Meinung mit Gewalt nimmt (wenn ja, ruf bitte sofort 110 an und jemand dort wird dir ganz schnell helfen).

Das Wort „Sklavin“ macht auch den Menschen Angst, weil es sehr viel Geschichte beinhaltet. Diese Menschen, die sowas wirklich erlebt haben, haben sich das nicht ausgesucht. Sie haben auch keine Lust empfunden und erst recht keine Verträge mit den Herren über Soft- und Hard Limits unterschrieben. Auch wussten sie nicht, was „After Care“ ist.

Und dann gibt es noch die Meinungen, dass eine „Sklavin“ jemand ist, die alle Rechte abgibt und in einer 24/7 Beziehung lebt. Das möchten vielleicht die wenigsten. Gibt es aber durchaus auch und bedeutet nicht, dass derjenige, der seine Rechte abgibt, minderwertiger ist.

Denn genau hier übersehen viele das Wort „abgibt“.

Wenn sich jemand freiwillig dafür entscheidet – dann ist das immer noch eine freie Entscheidung und somit keine „Sklaverei“ im ursprünglichen Sinne. Ist das nicht der Fall, dann ist das auch keine BDSM (D/S) Beziehung. Dann gehört das angezeigt.

Es geht nicht darum, wie dein Top dich nennt. Du kannst im Käfig leben und dich aus einem Napf ernähren, während Er dich „Prinzessin“ oder „Sub“ nennt, genauso gut wie du auf Augenhöhe seine „Sklavin“ sein kannst. Es sind nur symbolische Bezeichnungen und diese dürfen nicht über eine Lebensart bestimmen. So viel Freiheit haben wir heutzutage und das ist sehr gut so.

1 Comment

  1. Manu
    November 7, 2015 at 3:05 pm — Antworten

    Sehr schön erklärt.
    Ich wurde bereits mehrfach gefragt, ob ich eine Sub oder eine Sklavin sei. Auf meine verdatterte Frage nach dem Unterschied meinte man, das eine Sklavin alle ihre Rechte abgibt, eine Sub ist das nur während einer Session und ansonsten ebenbürtig.
    Auch ich empfinde diese Erklärung als Quatsch.
    Ich lebe in einer 24/7 Beziehung, aber ich habe trotzdem weder meinen eigenen Willen, noch mein Gehirn abgegeben. Ich darf, nein soll sogar sagen, was mir nicht passt und da hat die Autorin völlig Recht- wäre dies nicht so und ich würde nicht freiwillig so leben, hätte es mit BDSM nicht das geringste zu tun!

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