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Kaffee + Du = Umgedacht

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Kennt man sich selbst wirklich immer zu 100% am besten?

In Sachen BDSM hab ich immer gedacht und geglaubt, dass ich mich da sehr genau kenne.
Dass ich weiß, was ich als Sub will und was nicht.

Doch mittlerweile denke ich komplett um. Entdecke an mir neue Seiten. Seiten die ich ganz am Anfang für mich abgesteckt hatte, als ich für mich die Leidenschaft zum BDSM entdeckte. Wo ich für mich persönlich festlegte, dass ich es genau so in meinem alltäglichen Leben ausleben möchte und nicht anders.

Aber woran liegt dies, warum denk ich so sehr um?

Meine Spielbeziehung fand schon vor etlichen Monaten ein Ende. Da es seinerseits nicht mehr aus zeitlichen Gründen klappte, beschlossen wir, beidseitig, diese Beziehung aufzugeben. Mit ihm lebte ich es nur in Sessions aus. Dies reichte mir auch vollkommen und kam mir in meinem Denken, so wie ich es ausleben möchte ja auch sehr entgegen.
Wollte ich ja schließlich immer mal wieder irgendwann eine ernsthafte Beziehung haben. Eine Beziehung, in der man auf Augenhöhe steht und dieselben Rechte, Freiheiten aber auch Pflichten hat, wie der Partner auch. Dachte ich auch wirklich immer, dass ich dieses Denken und Wissen mal in eine Beziehung übernehme, wenn dann mal der „Eine“ vor mir steht.

Während der Spielbeziehung und auch danach suchte ich natürlich ohne Druck weiter nach jemanden bei dem alles komplett passen würde und es vielleicht etwas Festes geben kann, da ich ja ein absoluter Beziehungsmensch bin und für mich eine reine Spielbeziehung auf Dauer nicht in Frage kommen würde. Mir würde einfach etliches fehlen, was in meinen Augen nur eine richtige Beziehung auffangen kann. Die Hoffnung, mal jemanden kennenzulernen, der noch eine klare und für sich selbst treue und ehrliche Linie fährt, war wieder so gut wie dahin. Durch die etlichen Idioten und Machos, die mich in dem Chat, wo ich angemeldet bin angeschrieben hatten, war keine wirkliche Lust mehr da mit irgendwem dort zu schreiben.

Eines Abends wollte ich nur mal kurz in den Chat um nach Neuigkeiten zu gucken und um danach wieder sofort offline zu gehen. Bei dem Gedanken nur mal kurz zu gucken blieb es dann aber auch schon, denn bevor ich dazu kam auf abmelden zu klicken, schrieb mich zufällig jemand an. Irgendwas sagte mir, schau mal nach und antworte mal freundlich zurück, da er mich ja auch freundlich angeschrieben hatte.

Es war jemand wo ich nicht wusste, wie ich ihn anfangs einzuschätzen hatte. Er hatte ein paar Kriterien, die ich so nicht mehr in einer Beziehung haben wollte durch meine Vergangenheit. Während des Gesprächs hielt ich zwar immer diese Punkte im Hinterkopf aber auf der anderen Seite festigte sich immer mehr die Feststellung, dass man vom schreiben her komplett auf einer Wellenlänge liegt und auch in vielem oder eher in allem dieselben Ansichten und Einstellungen hat.

Nach einer Weile im Chat und Kontakt per Handy trafen wir uns dann spontan, da mein Wochenende kurzfristig zeitlich komplett umgeworfen wurde. Ich ging mit total gemischten Gefühlen zu dem Treffpunkt hin und ohne weitere Erwartungen. Kurz drauf kam er an, stieg aus seinem Auto, begrüßte mich mit einer Umarmung und ab da war es dann auch schon um mich geschehen. Hui, dieser Mann hat nicht nur einen total genialen Charakter sondern optisch ist er auch noch total meins. Die Neugierde, die zwar bedingt durch die Gemeinsamkeiten schon vorher vorhanden waren, wurde dadurch noch mal total verstärkt. Wir tranken dann gemütlich, bei einem total schönen Gespräch und dem starken Gefühl als ob man sich schon ewig kennen würde, einen Kaffee.

Meinen Blick konnte ich nur bedingt von ihm ablassen, denn er hatte so eine herrliche Art an sich und eine Ausstrahlung die einfach himmlisch war. Wenn er was lustiges erzählte, erzähle er auch gleichzeitig alles mit seinen Augen und seinem Blick. Eine Eigenschaft wo ich sehr drauf achte und die er mehr als nur erfüllte. Eben ein Mensch, der durch und durch authentisch ist.

Ich machte bei unserem kennenlernen vor ein paar Wochen in dem Chat natürlich auch kein Geheimnis im groben daraus, mit welcher Leidenschaft ich zum BDSM stehe, dass ich dies in meinem Leben bedingt brauche und ich da auch nicht drauf verzichten möchte, da genau dies eben ich bin. Er hatte diesbezüglich absolut kein Problem damit. Nein im Gegenteil, er fand es sogar schön. Durch die intensiven Gespräche vor dem Treffen merkte ich auch dort sehr schnell, dass er genau weiß, worum es dort geht und worauf es sehr stark ankommt. Ich denke, wäre dies nicht der Fall gewesen, wäre dieses Treffen direkt mit dem Gedanken Freundschaft geprägt gewesen. Als wir darüber redeten sagte er auch sofort ehrlich, dass er es so noch nicht ausleben konnte, diese dominante Seite jedoch sehr in sich trägt aber dort natürlich auch dazu lernen muss, da er sich der der Vielfalt an Facetten sehr bewusst sei.

Nach unserem 1. Treffen beschlossen wir, uns ohne Druck und ganz in Ruhe kennenzulernen, denn gegenseitiges Interesse war ja sehr vorhanden. Heute ein paar Wochen später, wo alles was gefestigter, vertrauter und intensiver ist, frage ich mich jedoch immer mehr, wo er was dazu lernen will?

Privat ist er ein Mann mit wahnsinnig viel Humor und Charme, hat eine immense Beobachtungs- und Auffassungsgabe bei Menschen, die er durchweg positiv einsetzt. Erzählt man ihm etwas, hört er interessiert und aufmerksam zu und merkt sich sehr viele Dinge die er hört.
Als Herr hat er die dominante Seite sehr inne, die ich seither immer mal wieder zu spüren bekomme.

Auf mich privat bezogen und als Sub eine Kombination, die mich natürlich total schwach werden und dahin schmelzen lässt. Auf der einen Seite ist er ein total liebevoller, wo man sich gemütlich abends anlehnen kann, aber auf der andere Seite auch (m)ein Herr, der mir meine Grenzen doch sehr aufweisen kann, wenn ich mal nicht hörig bin und mein freches Mundwerk doch mal wieder etwas zu locker sitzt.

Durch ihn habe ich komplett umgedacht ohne dass er groß dazu beitragen musste. Der Gedanke es weiter nur in Sessions ausleben zu wollen, war auf einmal komplett weg, nicht mehr vorstellbar für mich. In ihm habe ich einen Mann gefunden der mir aufzeigte, dass es mit aufrichtigen starken Gefühlen auch ganz anders geht, trotz meines Selbstbewusstseins und Selbstwertgefühls. Es ist ein schönes Miteinander aus gemeinsamer Augenhöhe und spontanem Machtgefälle. Der Übergang in mein Ich als Sub geht so fließend über, dass ich sofort umschalte, es einfach zulassen kann und mich ab da als Sub behandeln lasse.

Es ist ein schönes Gleichgewicht vorhanden, was seinerseits im alltäglichen Leben kein Überhand nimmt und genau das macht es so wunderschön. Er lässt mich in vielen Situationen gewähren, doch wenn es aus seiner Sicht zu viel wird nach mehrmaligen verwarnen, folgt nun mal die Bestrafung.

Wollte ich doch nicht so recht auf seine Ermahnungen hören, nahm ihn in dieser Situation nicht wirklich ernst und wurde somit das erste Mal richtig durch ihn bestraft. In diesem Moment rechnete ich natürlich so gar nicht damit. Somit war mein 1. Mal mit ihm als Sub geprägt von Verzicht, Demut, Schmerz, benutzt werden aber auch von Belohnung und wahnsinniger Lust.

Wir machten uns einen gemütlichen DVD Abend bei einem Glas Weißwein. Da ich beim schauen immer wieder mal in den Film reinredete und kicherte, obwohl er in Ruhe weiter gucken wollte, hing ich schneller als ich selber gucken konnte an meiner Deckenstange. Dummerweise bedachte ich beim anbringen des Deckenhakens damals nicht, dass sie somit so hängt, dass man von der Couch aus einen offenen Blick auf meine Schlafzimmertür hat, wo diese nun auch direkt hinter hängt. Somit ließ er mich natürlich sofort beginnend durch Verzicht spüren, dass es das erst mal für mich war, dass ich den Film mit ihm zusammen weiter gucken werde. Er schaute dann den Film mit seinem Wein und einer Zigarette alleine ohne mich weiter und beobachtete immer wieder mal meine Reaktionen. Ich unterschätzte ihn zu diesem Zeitpunkt leider total und musste immer wieder leise beim antworten lachen, wenn er zu mir kam und fragte ob ich es nun verstanden hätte.

Was daraus folgte waren dann Hiebe mit der Gerte auf meinem Hinterteil, die mir den Atem stocken ließen. Ok, bis dato hielt sich meine Demut ja noch dummerweise bedingt in Grenzen, doch als er dann das Licht im Schlafzimmer anschaltete und mich da so halbnackt hängend intensiver vom Wohnzimmer aus eine lange Zeit beobachtete, senkte sich mein Blick dann endgültig demütig hinunter und mein lachen war vorbei. Nach dem abnehmen der Handfesseln benutzte er mich dann so, wie er es in dem Moment für richtig und angemessen hielt.

Beim ausleben mit ihm muss ich nicht wirklich etwas sagen, da er durch sein gutes Zuhören und seinem starkes Beobachten vieles intuitiv macht und genau merkt, wann er schmerzmäßig an meine Grenzen kommt, da er sehr auf meine Körpersprache reagiert und das echt schon von Beginn an. Einfach dieses grenzenlose Vertrauen, was wir beide ineinander haben und sich dadurch bedingungslos fallen lassen zu können, lässt einfach dieses genießen zu.

Ich kann in meine Welt abtauchen und meine Verantwortung komplett in seine Hände geben. Er passt auf mich auf, beschützt mich, fängt mich genau zum richtigen Zeitpunkt wieder auf und fragt mich ab und an immer wieder mal ob alles ok ist, was ich schön finde, denn es lässt mein starkes Vertrauen zu ihm noch intensiver werden als es so schon ist. Zeigt es mir ja, dass er mir in meinem privaten „Ich“ keine richtige Schmerzen zufügen und mich demütigen möchte, sondern dass ich alles aus der Lust raus mit ihm als Sub gemeinsam genießen kann und soll.

Generell gibt er mir ein Gefühl von totaler Freiheit, da wir beide doch sehr gleich sind von den Charakteren und wir echt auf einer gemeinsamen Welle schwimmen. Macht es doch vieles sehr viel einfacher, weil man sein kann wie man wirklich ist und nicht überlegen muss, kann ich das nun oder lass ich es lieber.

All dies was er mir nun freiwillig und gerne als privater Mensch und als Sub gibt, kannte ich in dem Maße vorher nie und musste mich darauf wirklich erst mal anfangs innerlich einstellen. Einstellen in dem Sinne, das ich es so für mich erkannte, dass er wirklich so ist wie er ist und dies alles zulassen konnte, was alles bei ihm doch sehr schnell ging. Er ist dadurch der erster seit verdammt langer Zeit, der es schaffte, meine Mauer, die ich innerlich zum reinen Selbstschutz aufgebaut hatte über die Jahre, komplett und in kürzester Zeit einzureißen. Eben einfach in allem ein Mensch, den ich wahnsinnig stark respektiere und den ich nicht mehr missen möchte in meinem Leben, weil er mir gnadenlos gut tut und sehr wichtig geworden ist.

Durch und mit ihm kann ich mein privates Leben wieder so genießen wie es sein sollte. Was die Leidenschaft zum BDSM angeht, kann es auch nicht schöner sein, denn nach langer Zeit kann ich es endlich so ausleben wie ich es schon immer wollte und dies lebt er nun mit der selbigen Leidenschaft aus.

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